Worauf es bei Standort, Kooperation & Marktzugang wirklich ankommt
Nächsten Sonntag stehe ich am Start des Halbmarathons in Bila Tserkva – nahe Kiew. Im Krieg.
Warum? Weil ich es kann? Wir werden sehen. Aber es geht nicht um mich. Bemerkenswert ist, dass in der Ukraine eine sportliche Großveranstaltung möglich ist. Das Leben geht weiter – trotz aller Herausforderungen.
Wenn ich laufe, dann Seite an Seite mit Menschen, die morgens zur Arbeit gehen, ihre Familien versorgen und an die Zukunft glauben. Diese Normalität ist beeindruckend – und sie zeigt, was hinter den Schlagzeilen oft verborgen bleibt: Die Ukraine funktioniert. Für Investoren und Partner ist genau das entscheidend. Denn trotz Risiken gibt es in der Ukraine Verlässlichkeit, Engagement und Chancen.
Als Leiter des Steinbeis-Transferzentrums bin ich regelmäßig vor Ort – meist gemeinsam mit Roxana Boboruta, stellvertretende Geschäftsführerin von Steinbeis Rumänien. Sie bringt wertvolle Erfahrungen aus der Firmenbetreuung und Transformation in Rumänien mit, die sich direkt auf die Ukraine übertragen lassen. Da Reisen für Angestellte deutscher Unternehmen oft arbeitsrechtlich schwierig sind, ist es umso wichtiger, dass wir als Steinbeis präsent sind – und deutschen Unternehmen Zugang zur ukrainischen Realität verschaffen.
Themenschwerpunkte
Ukraine im Fokus
Veranstaltungen 10/2025
Steinbeis und Ukraine
Ukraine im Fokus: Industrie, Standort, Wiederaufbau und Technologie
⚙️ Industriekooperation
Ukrainische Unternehmen beweisen seit Jahren eine bemerkenswerte Resilienz: Selbst unter schwierigsten Bedingungen läuft die Produktion zuverlässig, präzise und mit klarer Haltung weiter. Partnerschaften sind also auch jetzt tragfähig. Für deutsche Unternehmen liegt der Vorteil nicht allein in den niedrigeren Personalkosten. Ebenso wichtig sind die Nähe zu Kunden – etwa zur Automobilindustrie in Ungarn und der Slowakei – sowie die Kompetenz erfahrener Partnerbetriebe, die den schnellen Markteinstieg erleichtert. Von der einfachen Lieferantenbeziehung bis hin zum Joint Venture ist vieles möglich. So lassen sich Risiken reduzieren und Projekte rasch realisieren. Die Partnersuche ist anspruchsvoller geworden, da viele ukrainische Firmen ihre Online-Präsenz bewusst reduziert haben, um sich zu schützen. Nicht alles, was möglich ist, wird öffentlich gezeigt – doch über unser Netzwerk finden wir die passenden Unternehmen zuverlässig. Wichtig: Deutschland ist nicht allein. Unternehmen aus anderen europäischen Ländern – ebenso wie Partner aus Japan – sind bereits aktiv auf der Suche nach Kooperationen. Frühzeitige Partnerwahl entscheidet, wer den Marktvorsprung sichert.
🌍 Standortwahl & Regionen
Von Lwiw im Westen bis Dnipro im Osten (weiter östlich ist derzeit nicht sinnvoll): Welche Region bietet die besten Bedingungen für Produktion und Kooperation? Unternehmen haben die Wahl – aktuell gibt es 105 offiziell anerkannte Industrieparks (Stand September 2025). Alle bieten Standortvorteile wie Steuererleichterungen und vereinfachte Verwaltungsverfahren. Die Unterschiede liegen im Detail: Manche Parks sind voll entwickelt, beherbergen bereits Betriebe und investieren in Qualifizierungskapazitäten – etwa in Bila Tserkva. Andere existieren bislang nur auf dem Papier oder umfassen unerschlossene Flächen mit großen, aber vagen Plänen. Niemand muss alle Standorte selbst prüfen. Wir haben zahlreiche Parks bewertet und wissen aus Besuchen, was wo möglich ist – und zu welchem Zeitpunkt. Damit sparen Sie Zeit, reduzieren Risiken und treffen fundierte Standortentscheidungen.
🏗 Rebuilding Ukraine: Zugang zum Markt
Der Wiederaufbau ist kein kurzfristiges Hilfsprojekt, sondern ein langfristiges Modernisierungsprogramm. Internationale Einschätzungen beziffern die Bedarfe für Rekonstruktion und Erneuerung auf über 500 Mrd. €. Ziel ist nicht allein die Reparatur von Kriegsschäden, sondern auch die umfassende Modernisierung von Energie, Verkehr, Bildung und Verwaltung. Für Unternehmen eröffnen sich dadurch klare Geschäftsfelder, die international gefördert und politisch priorisiert werden. Besonders gefragt sind Partner, die lokale Wertschöpfung integrieren – ein entscheidender Faktor bei öffentlichen Ausschreibungen und internationalen Finanzierungsprogrammen. Unser Beitrag: In der Task Force „Rebuilding Ukraine“ habe ich ukrainische KMU als Mentor begleitet. Heute verfügen wir über direkte Zugänge zu Bauunternehmen, Architekten, Energie- und Infrastruktur-Experten sowie zu kommunalen und regionalen Entscheidungsträgern. Dieses Netzwerk ermöglicht deutschen Unternehmen den Eintritt in konkrete Projekte – strukturiert, abgesichert und praxisnah.
💡 Technologietransfer als Motor
Ukrainische Hochschulen und Start-ups suchen aktiv den Austausch – besonders in den Bereichen IT, Ingenieurwesen und angewandte Forschung. Die Ukraine verfügt über enorme IT-Kompetenz, die in gemeinsamen Projekten schnell in marktfähige Lösungen umgesetzt werden kann. Für die deutsche Verteidigungsindustrie ist ukrainisches Know-how von besonderem Wert: Technologien, die im Krieg unter härtesten Bedingungen entwickelt und getestet wurden, liefern praxisnahe Impulse für Lösungen, die tatsächlich Sicherheit gewährleisten. Zugleich entstehen im Wiederaufbau Chancen für zivile Technologiekooperationen – von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien über Smart Manufacturing bis hin zu MedTech. Hier treffen deutsche Technologien auf hochqualifizierte ukrainische Fachkräfte und Partnerinstitutionen. Unser STZ begleitet diesen Prozess: Aktuell schaffen wir Transferkapazitäten im Energiesektor, die sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine nutzbar sind, und eröffnen deutschen Unternehmen den Zugang zu konkreten Projekten, die Innovation beschleunigen und internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Wirtschaftsforen in der Ukraine: Chancen zum Netzwerken und Einsteigen
Podillia Investment Summit – 3./4. Oktober in Kamianets-Podilskyi
Ich wurde eingeladen, beim Podillia Investment Summit einen Vortrag zu halten: „Regional Competitiveness in Ukraine: Success Factors for Attracting German Investments“. Dabei gehe ich auf die Interessen deutscher Investoren ein und zeige auf, welche Erwartungen an ukrainische Regionen und Institutionen gerichtet sind – und wie diese erfolgreich erfüllt werden können. Der Summit bringt in Kamianets-Podilskyi, der Partnerstadt von Esslingen am Neckar, Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Regionen der Ukraine zusammen. Damit entsteht ein Forum, in dem lokale Erfahrungen, regionale Strategien und nationale Perspektiven in den Dialog treten und den Weg für internationale Kooperationen öffnen
Kyiv International Economic Forum (KIEF) – 16. Oktober in Kiew
Das KIEF vereint rund 800 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik zu einem hochrangigen Dialog über die zentralen Zukunftsthemen der Ukraine: Investitionsstrategien, regionale Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Human Capital und Infrastrukturentwicklung. Damit ist das Forum eine der bedeutendsten Plattformen für den Austausch zwischen nationalen und internationalen Akteuren, die den wirtschaftlichen Wandel des Landes aktiv mitgestalten. Als Informationspartner des KIEF steht unser Steinbeis-Transferzentrum in engem Austausch mit den Organisatoren und sorgt dafür, dass die gewonnenen Erkenntnisse und Kontakte gezielt in konkrete Kooperationen einfließen.
Jetzt wird es konkret: Die Teilnahme am KIEF ist zwar noch möglich – gerne lade ich Sie ein, mich zu begleiten. Realistisch betrachtet vermute ich jedoch, dass es zeitlich für viele nicht passt. Teilen Sie uns daher einfach Ihre Interessen mit: Durch unsere Präsenz vor Ort stellen wir sicher, dass Sie trotzdem von neuen Kontakten und relevanten Informationen profitieren.
Warum dieser Newsletter?
Mein Ziel ist es, Ihnen Orientierung und Vertrauen zu geben – für alle, die Kooperationen mit der Ukraine prüfen oder bestehende Engagements vertiefen wollen. Meine regelmäßigen Reisen in die Ukraine liefern Erkenntnisse, die von keiner Schreibtisch-Analyse und keinem Online-Meeting ersetzt werden können. Wer sich ein eigenes Bild vor Ort macht, erkennt schnell: die Ukraine ist zugänglich und bereit zur Kooperation. Gleichzeitig habe ich vollstes Verständnis dafür, dass es Gründe geben kann, nicht persönlich in die Ukraine zu reisen – lassen Sie sich in diesem Fall vom Steinbeis-Transferzentrum vertreten.
Das STZ und die Ukraine
Seit 1996 begleiten wir deutsche Unternehmen bei ihren Projekten in der Ukraine – und investieren selbst weiter in die Zukunft des Landes. Die Steinbeis Transfer Management GmbH, Uzhhorod, ist als ukrainisches Steinbeis-Unternehmen fest in den Steinbeis-Verbund integriert.
Heute mehr denn je gilt: Wer vorbereitet eintritt, wird ernst genommen und eingeladen, Teil der Entwicklung zu sein.
Ihr nächster Schritt
Nutzen Sie die Chance auf ein Orientierungsgespräch. Direkt, vertraulich und mit Antworten, die Ihnen wirklich weiterhelfen.